Wiener Ohren

von Arnulf Häfele


Es ist ein Jammer. Eigentlich hat man geglaubt, die Bevormundung der Bundesländer durch die Zentrale in Wien gehöre der Vergangenheit an. Die wirkliche politische Macht liegt ja auch tatsächlich bei den Ländern. Das haben die Landeshauptleute auf ihren Konferenzen oft genug gezeigt. Und dann tritt plötzlich der Sprecher des Verteidigungsministers auf und erklärt sinngemäß: Der Radetzkymarsch wird in Zukunft bei der Militärmusik in Wien mit 60 Mann und in den Bundesländern mit 20 Mann gespielt. Diese Unverfrorenheit lässt jedes politische Gespür vermissen. Die Volkswut kocht zu Recht. Für die feinen Wiener Ohren spielt die komplette Besetzung und für die Leute hinter den sieben Bergen genügen ein paar Trommler und ein paar Trompeten. Nein, so darf Politik nicht funktionieren. Man kann als Verteidigungsminister auch über eine wehrpolitisch unbedeutende Militärmusik stolpern, wenn man das Wesen eines Bundesstaates nicht begriffen hat.  

Natürlich hat man auch in unserem Land größtes Verständnis für Sparmaßnahmen auf allen Gebieten. Nach den Affären des Eurofighterkaufes und der Hypo Alpe Adria ist allerdings nicht einsichtig, warum dafür hauptsächlich die Landbevölkerung büßen soll. Oberst Erwin Fitz hat unter dem Titel „Flügelhorn und Sturmgewehr“ ein ausgezeichnetes Buch über die Militärmusik Vorarlberg geschrieben. Alle Musikinstrumente wurden im Jahre 1958 auf Rechnung der Stadt Bregenz und der Landesregierung angeschafft. Die 58 Mann der Militärmusik waren auch für den Katastropheneinsatz in Vorarlberg immer besonders wichtig. Sie konnten von einem Moment auf den anderen im Krisengebiet eingesetzt werden.

Die nachhaltigste Wirkung hat die Militärmusik Vorarlberg nach wie vor in der Ausbildung der vielen Blasmusikanten bis ins letzte Dorf hinaus. Etliche Kapellmeister und viele Stützen der Musikkapellen verdanken ihre perfekte Ausbildung der Militärmusik. Das plötzliche Versiegen dieses wichtigen Quells für die Dorfkultur kann deshalb nicht einfach hingenommen werden. Was ist das für eine quälende Vorstellung: Der Bundespräsident, der gleichzeitig Oberbefehlshaber des Bundesheeres ist, kommt zur Festspieleröffnung nach Vorarlberg und muss gleichzeitig noch eine Schar von Militärmusikern aus Innerösterreich mitführen. Die verbleibende Mini-Besetzung der Vorarlberger Militärmusik wäre für das Abspielen der Bundeshymne wohl zu schmalbrüstig. Bei situationselastischer Betrachtung wäre es da fast ehrlicher, man würde einen Straßenmusikanten für die Bundeshymne engagieren. 

Der vorstehende Kommentar ist in der Erstveröffentlichung am 11. April in den "Vorarlberger Nachrichten" erschienen.



Informationen zu Arnulf Häfele

DDr. Arnulf Häfele, AHS-Lehrer, Landtagsabgeordneter der SPÖ in Vorarlberg 1974-1999

arnulf.haefele@a1.net


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